flechtereien.ch Leutwyler / Turtschi · Thun
Das handbetriebene Korbkarussell auf einem Marktplatz, Kinder sitzen in den geflochtenen Fahrgastkörben

Eine Geschichte, die 2023 zu Ende ging

Das Korbkarussell

Das erste handbetriebene Korbkarussell der Schweiz — ökologischer ist nahezu unmöglich. Am 17. September 2023 hat es den Besitzer gewechselt.

Die Initialzündung kam von Therese Leutwyler, die auf einem Festival in Budapest etwas Ähnliches gesehen hatte. «Da wir keine Zimmerleute sind, brauchte der Bau seine Zeit», sagte Werner Turtschi damals — 80 bis 90 Stunden, die schlaflosen Nächte nicht mitgezählt. Seine ersten Runden drehte das Karussell auf einem Mittelaltermarkt in Burgdorf.

Vier geflochtene Fahrgastkörbe, angetrieben allein durch Muskelkraft, die Fahrzeit gemessen mit einer eigens angefertigten Sanduhr — eine Fahrt dauerte in der Regel dreieinhalb Minuten. Gedreht wurde nur von den Erbauern selbst: «Dazu braucht es viel Fingerspitzengefühl», weil die Grenze vom Lachen zum Weinen nahe beieinanderliegt. Zum Konzept gehörte auch die Fahne des Ortes, an dem es gerade stand — sie flatterte mit der Schweizer Fahne um die Wette. Nur einmal ging das nicht: «Der Bauernhof hatte keine eigene Fahne.»

2023 hat sich das Korbkarussell für die Stadt Lichtenfels entschieden, die deutsche Korbstadt. Dort dreht es jeweils am Korbmarkt, der jedes Jahr am dritten Septemberwochenende stattfindet. Wir wünschen dem neuen Besitzer ebenso grosse Freude daran, wie wir sie über all die Jahre erfahren durften.