Pressespiegel

Jungfrauzeitung vom 30. März 2020
 
Handwerk | 30. März 2020

Flechtwerke statt Plastik

Therese Leutwyler ist Korbflechterin in der dritten Generation. Sie schildert, wie die Weidenbehältnisse vom Gebrauchsgegenstand immer mehr zum Designelement werden, zum Beispiel für Wohnungen und Ladeneinrichtungen.
von Patrick Schmed
 
In ihrer Werkstatt im Neufeld arbeitet Therese Leutwyler an ihren Körben, repariert und kreiert Neues.
In ihrer Werkstatt im Neufeld arbeitet Therese Leutwyler an ihren Körben, repariert und kreiert Neues.Fotos: Patrick Schmed
 

«Von dünn zu dick, mit dick einsetzen, geht zu dünn, dünn einsetzen …», Therese Leutwyler sitzt in ihrer Werkstatt im Neufeld auf einem Stuhl und flechtet in rasender Geschwindigkeit eine Weidenrute um die etwas dickeren Ruten, welche die Bodenkonstruktion bilden. Ab und zu schnappt sie sich eine neue Rute vom Stapel, der auf ihren Fussrücken ruht. «Und am Schluss wird das dünne Ende ins Geflecht eingefädelt», setzt sie ihre Arbeit routiniert fort und erzählt, was sie am Beruf der Korbflechterin besonders fasziniert. «Mich begeistert es immer, wie man aus ein paar Weidenruten ein Behältnis herstellen kann, ohne Nagel, ohne Schraube und ohne Leim», führt die Thunerin aus. «Und das mit einer unglaublichen Vielfalt bei der Form und den Anwendungsbereichen.» Angefangen hat alles mit Körben für Munition, die ihr Grossvater für die Armee herstellte, nachdem er 1917 das Familienunternehmen gegründet hatte. «Früher standen Gebrauchsgegenstände im Vordergrund, heute produzieren wir vor allem Flechtwerke für den Innenbereich», sagt Therese Leutwyler und präsentiert den fertigen Boden. Er wird einst die stabile Basis für einen weiteren Weidenkorb in ihrem Sortiment darstellen – ein weiteres Einzelstück aus 100 Prozent Handarbeit.

 

Den Preis wert
Rund drei Stunden ist Therese Leutwyler beschäftigt, um einen Einkaufskorb herzustellen – dieser Richtwert kann je nach Grösse, Material und Ausführung variieren. «Ich schreibe die Anzahl Arbeitsstunden auf das Preisschild und weise die Kosten für die Handarbeit und das Material transparent aus», erklärt die Korbflechterin. «So können die Kunden nachvollziehen, wieso ein handgemachter Korb seinen Preis hat.» Fürs Geld gibts nicht nur zeitlose Flechtwerke, die Wärme und Natürlichkeit ins Interieur bringen, sondern vor allem Langlebigkeit. «Ab und zu bessere ich sogar Körbe oder Sitzflächen von Stühlen aus, die aus der Zeit stammen, als mein Grossvater die Korbflechterei begründete», so Therese Leutwyler. Körbe, die nicht mit chemischen Mitteln behandelt oder gestrichen werden, sind über Generationen nutzbar.

 

 
Aus feinen Weidenschienen fertigt Therese Leutwyler filigrane Körbe und Ummantelungen für Flaschen.
Aus feinen Weidenschienen fertigt Therese Leutwyler filigrane Körbe und Ummantelungen für Flaschen.
 
Speichermedien

Diese Langlebigkeit ist vor allem für Kunden wie die Betreiber von SAC-Hütten entscheidend. Für sie, Privatpersonen oder Ferienwohnungsbesitzer produziert Therese Leutwyler Körbe, in denen Skischuhe zum Trocknen gelagert werden. Die Kunden bestellen auch Körbe für Zeitungen oder zum Lagern von Holz, dazu produziert die Thuner Korbflechterin auch Ausfachungen für Treppengeländer oder kleinere Körbe für die Küche. Sie freut sich, dass ihre Produkte eine stilvolle Alternative zu den allgegenwärtigen Plastikprodukten darstellen. Zu den Kunden gehören auch Geschäfte, die ihre Ladeneinrichtungen mit natürlichem Charme und einzigartigem Design aufwerten wollen. «Flechtwerke bringen Wärme in die Innenräume», weiss Therese Leutwyler. «Ausserdem kann man mit Kreativität Erstaunliches gestalten, auch in Zusammenarbeit mit Schreinern, Elektrikern oder anderen Handwerkern.» Diese Vielseitigkeit war es, die Therese Leutwyler für den Beruf der Korbflechterin begeisterte. In Begleitung von Werner Turtschi, mit dem sie heute ihr Atelier teilt, entdeckte sie in jungen Jahren die kreative Vielfältigkeit der Korbflechterei, als sie die Korbfachschule in Lichtenfels und das Korbmuseum in Michelau in Deutschland besuchte.

 

 
In ihrem Atelier repariert Therese Leutwyler auch Sitzflächen von Stühlen.
In ihrem Atelier repariert Therese Leutwyler auch Sitzflächen von Stühlen.
 
Männerberuf, Frauenberuf

«Das war damals, als ich nach der Schulzeit als Aushilfe im elterlichen Betrieb mitarbeitete», erinnert sich Therese Leutwyler. Damals war das Korbflechten eine Männerdomäne, zu Grossvaters Zeiten waren sechs Korbflechter am Werk, bei den Eltern waren zwei Arbeiter angestellt. Heute führt Therese Leutwyler als dritte von vier Töchtern den Familienbetrieb in dritter Generation weiter – als Einzelunternehmerin. Sie verkauft keine Handelware mehr wie ihre Eltern und Grosseltern, sondern nur handgemachte Einzelstücke aus eigener Produktion. Darin sieht die engagierte Thunerin die Zukunft ihres Kleinstberufs. «Der Beruf und unsere Produkte stellen einen Kontrast zur digitalen Welt dar», ist sie sich bewusst. Sowohl die Kunden wie die Lernenden schätzen die Kreativität, die echte Handarbeit und die natürliche Vielseitigkeit der Korbflechterei.

 

 
Therese Leutwyler findet, dass das Korbflechten einen Kontrast zur digitalen Welt bietet – für Kunden wie für Lernende.
Therese Leutwyler findet, dass das Korbflechten einen Kontrast zur digitalen Welt bietet – für Kunden wie für Lernende.
 
Nachwuchs vor

Zwischen 1993 und 2004 unterrichtete Therese Leutwyler zusammen mit Pepito Zwahlen und Tony Bucheli angehende Korbflechterinnen und Korbflechter in Rothrist. Sie wirkte als Delegierte der Interessengemeinschaft Korbflechterei Schweiz an der Ausarbeitung des neuen Bildungsplans mit. Auch wenn sie heute keine Lernenden mehr ausbildet, liegt ihr die Nachwuchsförderung am Herzen. Sie bietet Teilausbildungen oder Weiterbildungen im Korbflechten an. Die Berufsbildung wird seit 2009 durch die Schule für Holzbildhauerei in Brienz sichergestellt, die Lernenden erlangen hier das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Korb- und Flechtwerkgestalter und absolvieren einen Teil der Schulstunden gemeinsam mit den Holzbildhauern, Holzhandwerkern und Küfern. «Inzwischen haben sich mehr als 20 kleine und faszinierende Berufsgattungen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, darunter auch die Korbflechter», führt Therese Leutwyler aus. Sie findet diesen Ansatz sehr wertvoll, zeigt er doch, wie faszinierend und lebendig Berufe wie Steinbildhauer, Gewebegestalter, Hufschmied oder Korbflechter immer noch sind. Dank der Arbeit des Netzwerks werden diese Berufe auch in der Politik wahrgenommen. 2014 gab es sogar eine Sonderausstellung von Swiss Skills zu diesen Berufen.

 

 
Das Museum ist Therese Leutwylers Werk, es zeigt auf 50 Quadratmetern wechselnde Ausstellungen.
Das Museum ist Therese Leutwylers Werk, es zeigt auf 50 Quadratmetern wechselnde Ausstellungen.
 
Zum Be-Greifen

«Ich finde es wichtig, dass die handwerklichen Fähigkeiten nicht verarmen, sondern lebendig bleiben», nimmt Therese Leutwyler den Faden auf. Der häufig verwendete Begriff des «Be-Greifens» zeige ebenfalls, wie wichtig diese menschliche Tätigkeit in unserer Gesellschaft sei. Mit rund 600 Exponaten lässt das Flechtmuseum Interessierte begreifen, wie wichtig Flechtwerke früher im Alltag waren und wie kunstvoll sie heute unseren Alltag verschönern. «Jede Generation hat Neues entwickelt, das Flechtmuseum ist mein Kind», betont Therese Leutwyler. Aktuell arbeitet sie mit Unterstützung ihrer Schwester an der Sonderausstellung «Stroh in Form», die an das zehnjährige Jubiläum des gleichnamigen Vereins anknüpft. «Natürlich wird das Rätsel gelöst, das Rumpelstilzchen umtrieb, nämlich, wie Stroh zu Gold verwoben wird», verspricht das Flugblatt mit der Ankündigung der Sonderausstellung. Sie wird in den nächsten Wochen eröffnet – sobald die Umstände dies zulassen. Wie viel «Gold» auf den 50 Quadratmetern des Museums tatsächlich gezeigt wird, verrät die Thuner Korbflechterin noch nicht. Ein erster Blick bestätigt aber, dass geflochtene Werke aus Stroh oder Weiden goldrichtig passen – in der Nostalgie genauso wie in unserer modernen Welt.

 

Weitere Impressionen

 

 
Etwas mit den Händen zu erschaffen, fasziniert die Thuner Korbflechterin nach wie vor.
Etwas mit den Händen zu erschaffen, fasziniert die Thuner Korbflechterin nach wie vor.
 
Die Grundausrüstung für den Beruf der Korbflechterin ist relativ klein.
Die Grundausrüstung für den Beruf der Korbflechterin ist relativ klein.
 
Daneben gibt es besonderes Werkzeug wie dieses Biegeeisen für die Weidenruten.
Daneben gibt es besonderes Werkzeug wie dieses Biegeeisen für die Weidenruten.
 
Mit einem speziellen Werkzeug werden die Weidenruten in dünne Streifen geteilt.
Mit einem speziellen Werkzeug werden die Weidenruten in dünne Streifen geteilt.
 
Bei den geteilten Weidenruten wird das Mark entfernt.
Bei den geteilten Weidenruten wird das Mark entfernt.
 
Geflochtenes begleitet unseren Alltag auf vielseitige Weise.
Geflochtenes begleitet unseren Alltag auf vielseitige Weise.
 
In einer Ecke verbindet sich telefonische Nostalgie mit den Grundzügen eines modernen Handwerks.
In einer Ecke verbindet sich telefonische Nostalgie mit den Grundzügen eines modernen Handwerks.
 
Das Atelier präsentiert sich als heller und freundlicher Raum mit viel Platz für die kreativen Handwerker.
Das Atelier präsentiert sich als heller und freundlicher Raum mit viel Platz für die kreativen Handwerker.
 
Der Laden und das Museum sind zurzeit wegen des Corona-Virus geschlossen, deshalb ist Therese Leutwyler via Mail oder telefonisch für die Kunden da.
Der Laden und das Museum sind zurzeit wegen des Corona-Virus geschlossen, deshalb ist Therese Leutwyler via Mail oder telefonisch für die Kunden da.
 
Auch im Aussenbereich stehen Flechtwerke, diese Sonne wurde aus zwei Korbböden hergestellt.
Auch im Aussenbereich stehen Flechtwerke, diese Sonne wurde aus zwei Korbböden hergestellt.
 
 
 
21. September 2014 Korbkarussell in der Korbstadt Lichtenfels

Obermain Tagblatt

 

Mit Muskelkraft und viel Gefühl

Karussell der Schweizer Flechthandwerker Werner Turtschi und Theresa Leutwyler eine Korbmarkt-Attraktion

Aufgepasst: Beim Bewegen des Karussells braucht es viel Gefühl, sagt Werner Turtschi. 

Mit gleichmäßigen Bewegungen dreht Werner Turtschi die Scheibe. Dabei hat er immer auch seine Fahrgäste im Blick, achtet auf ihre Reaktionen. Freuen sie sich, oder schauen sie gar ängstlich? Danach richtet sich das Tempo mit dem der Schweizer die Scheibe des Korb-Karussell dreht, denn es wird allein durch reine Muskelkraft bewegt.

Das Karussell der beiden Schweizer Flechthandwerker Werner Turtschi und Theresa Leutwyler war eine der Attraktionen auf dem Lichtenfelser Korbmarkt.

Die Initialzündung zum Bau kam von Theresa Leutwyler. Auf einem Festival in Budapest hatte sie etwas Ähnliches gesehen. „Da wir keine Zimmerleute sind, brauchte der Bau seine Zeit“, berichtet Turtschi. So 80 bis 90 Stunden haben sie investiert, schätzt der Schweizer. Die vielen schlaflosen Nächte nicht mitgezählt. Seine ersten Runden drehte das Karussell auf einem Mittelaltermarkt in Burgdorf im Kanton Bern. Die anfänglichen Probleme mit der Lagerung konnten zwischenzeitlich beseitigt werden.

Vier Fahrgastkörbe

Doch so ganz fertig ist das Karussell immer noch nicht. So soll es noch mehr Korbelemente erhalten. Ein geflochtenes Dach beispielsweise, oder geflochtene Körbe als dekoratives Element. Aktuell sind nur die vier Fahrgastkörbe geflochten.

Und Musik soll das Karussell auch erhalten. Nicht irgendeine aus Lautsprecherboxen, sondern durch das drehen der Antriebsscheibe produzierte Töne. Daran tüfteln die Schweizer noch. Gedreht wird das Karussell nur von seinen Erbauern. „Dazu braucht es viel Fingerspitzengefühl“, sagt Turtschi. Da die Grenze von Lachen zum Weinen nahe beieinander liegt, beobachten sie ihre meist jungen Fahrgäste sehr genau. Wird es einem Kind zu wild, dann wird etwas sachter gedreht. Freuen sich dagegen alle, kann noch an Tempo zugelegt werden.

Sanduhr als Zeitmesser

Zum Konzept der Schweizer gehört auch die jeweilige Fahne, der Stadt oder des Ortes an dem sie sich gerade befinden. Die flattert dann mit der Schweizer Fahne um die Wette. Nur einmal es ihnen nicht gelungen. „Der Bauernhof hatte keine eigene Fahne“, erzählt Turtschi. Eine Fahrt dauert in der Regel dreieinhalb Minuten. Auch bei der Zeitmessung verzichten die Schweizer auf Technik.

Die misst eine eigens dafür angefertigte Sanduhr, die nach Beginn der Fahrt in Gang gesetzt wird.

Eingeladen wurden sie vom Verein „Zentrum für europäische Flechtkultur“. Überrascht waren sie vom Standort mitten vor dem Rathaus. Die exponierte Lage habe ihnen etwas Angst gemacht, dass sie möglicherweise die in ihnen gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können.

Wie sich herausstellte, war dies völlig unbegründet. Oft standen die Fahrgäste sogar Schlange. Auch größere Kinder konnten sich für das Karussell begeistern.

 
 
04 octobre 2014 RTS Radio Télévision Suisse

Outre-Zapping à Thoune

 
Direction la ville de Thoune (BE) pour cette nouvelle édition d'Outre-Zapping. Connue en Suisse pour sa caserne militaire, nous y avons découvert d'autres visages. Parmi eux une passionnée du cannage.
Ab der 14. Minute ein Beitrag über das Flechtmuseum und unsere Werkstatt
 
 
 
20.11.2014 SRF Schweizer Radio und Fernsehen

Polo Hofers Urteil nach dem Sarg-Probeliegen

 
Polo Hofer Sarg Probeliegen

Polo Hofers Urteil nach dem Sarg-Probeliegen

(Filmausschnitt aus "Polo Hofer – Rhythmus, Rausch und Rampenlicht")

(Die geflochtenen Särge und Urnen wurden in unserer Werkstatt geflochten)

Ganzer DOK Film:

http://www.srf.ch/sendungen/dok/polo-hofer-rhythmus-rausch-und-rampenlicht

 

27.11.2014 Bericht in der der Simmental Zeitung (Scan) www.simmentalzeitung.ch

20141127-1Simmental Zeitung

 

 

Die Korbflechter von Thun

SRF Schweizer Radio Musikwelle Magazin vom 03.12.2014 10:40:00

Interview: Kurt Zurfluh
Seit vielen tausend Jahren stellen die Menschen Körbe, Matten und Käfige her. Auch heute ist der Beruf des Korbflechtens als traditionelles Handwerk mit vielen gestalterischen Möglichkeiten noch attraktiv.Die Korbflechter von Thun
  • 05:55 min